Maria Bexten
Prosa
geboren 1949
seit 1974 wohnhaft in Oelde
schreibt Erzählungen und Kurzgeschichten
Veröffentlichung des Buches „Hinter dem Passpartout“
und weitere Kurzgeschichten
E-Mail an Maria Bexten
Kleines Glück
Am Ende der Gasse sah der alte Kruse, wie ein magerer Junge in einen der fast vollen Glascontainer vorsichtig und nahezu geräuschlos einige Flaschen hineinschob. Dabei sah sich der Bub mehrmals zu beiden Seiten um, und als er erneut in die Tüte greifen wollte, zerriss einer der Henkel, und der Rest der Flaschen polterte heraus und zersplitterte. Der Junge sprang zur Seite und griff dann nach einer der Scherben. Er fuhr herum, als er hinter sich die Stimme eines Mannes hörte.
"Du willst doch wohl nicht die Glasscherben mit den bloßen Händen aufheben! Guck mal, du blutest ja schon. Warte einen Moment, ich hole ein Pflaster." (....) In der Mittagszeit saß Kruse oft auf einer der Parkbänke. Er öffnete eine Brotdose aus Aluminium, in der einige belegte Schnitten lagen. Dabei hörte er das Grummeln der schmalen Holzbrücke, gleichzeitig das Ratschen einer Fahrradkette. Das war doch das Kind mit den Glasscherben! Der Junge sprang vom Rad und kam einige Schritte auf ihn zu. Dabei bemerkte Kruse, wie die Blicke des Kindes sich an seiner Brotdose festmachten. Er wies auf die freie Fläche neben sich. "Kommst du etwa jetzt erst von der Schule?" Der Schüler nickte nur und setzte sich. Plötzlich knurrte sein Magen. Ohne ihn anzusehen, brummte Kruse: "Hunger?" "Ach , das ist nur so'n Geräusch, das ist manchmal so", winkte der Junge ab und wurde rot. Kruse nickte. "Ich habe immer Brote dabei, - für solche Fälle. Wenn mal der Magen knurrt." Der Junge warf ihm einen schiefen Blick zu und schluckte, schielte aber wieder auf die Brotscheiben. Dann griff er nach einer Schnitte und biss hinein, und mit einem scheuen Blick zu Kruse nahm er danach auch die weitere und kaute sie langsam, beinahe andächtig. So, wie der Junge aß, wirkte es, als habe er den ganzen Tag noch nichts gegessen.
"Sehen wir uns denn morgen wieder?", fragte Kruse, als Jakob sich erhob. "Dann kann ich ja für uns beiden Brote mitbringen." Der Junge lächelte und nickte. "Am liebsten mit dem salzigen weißen Zeugs drauf, wie Sie es heute hatten, das war so lecker." "Schmalz war das", brummte Kruse, "Schweineschmalz, das aßen wir damals täglich, es gab für uns Kinder so wenig."
3...2...1... meins
Dieses Virus hat mich erwischt. Nie hätte ich gedacht, daß ich dieser seltsamen Zählweise und den neuzeitlichen Stoßgebeten so verfallen könnte: 3...2...1...meins. Das bedeutet inzwischen Musik in meinen Ohren, obwohl mein Staubsauger dröhnt, sich verschluckt und den Staub wieder auspustet. Überhaupt, - das Modell ist uralt. Nun weiß ich, was ich zu tun habe. 3...2...1... meins. Mein Computer ist zu lahm! Wer weiß, was ich gerade jetzt verpasse! Was könnte ich heute ersteigern? Bücher? Schmuck? Haushaltsgegenstände? Wie war das eben noch beim Staubsaugen? Die letzten Sekunden bei den Ebay – Auktionen sind nervtötend. Mein Adrenalinspiegel macht Aerobic. Doch zu spät, das Angebot ist beendet, und der Staubsauger, der fast schon mir gehört hatte, hat sich aus dem Staube gemacht.
3...2...1... Mist.
