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| von Maria Bexten |
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"Hinter dem Passepartout" |
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Auszug aus der Erzählung "Hinter dem Passepartout":
Anna stolperte aus dem Zug auf den Bahnsteig. Sie war kurz vor dem Ziel ihrer langen Reise. Ihre übermüdeten Augen zwinkerten in die schwache verlegene Nachtbeleuchtung des finsteren Bahnhofes der Kleinstadt. Sie blickte sich fröstelnd um, als erwarte sie, von jemandem abgeholt zu werden. Mit einem Seufzer hängte sie sich ihre Handtasche diagonal um den Körper, faßte den Griff des Koffers und ging auf den Hintereingang des Bahnhofsgebäudes zu.
Feuchtkalte Luft hing in der alten Wartehalle. Die Halle, die Anna damals großzügig und sauber vorgekommen war, wirkte nun eng und bedrückend, vor allem jedoch schmutzig. Es roch nach abgestandenem Zigarettenrauch und Urin. Von den beiden Werbeplakaten hingen abgelöste Papiersträhnen von Waschmittel- und Zigarettenreklamen. Anna lehnte sich gegen die schwere Ausgangstür und drückte sie mit ihren schmalen Schultern auf.
Es war kurz nach Mitternacht. Suchend blickte sie über den Bahnhofsvorplatz und lächelte überrascht. Der Droschkenplatz, wie er damals noch genannt wurde, befand sich noch immer an der gleichen Stelle. Unter den großen Linden standen drei Taxen, auf denen kleine rechteckige Schilder leuchteten.
Sie ging auf die innen dunklen Wagen zu, in denen in unregelmäßigen Abständen winzige rote Pünktchen glimmten. Sie sah zwei rauchende Fahrer, die in ein Gespräch vertieft waren. Das zweite Taxi war leer, doch in dem dritten Wagen saß jemand hinter einer Zeitung. Anna hoffte, daß es eine Fahrerin sein würde. Ob Taxen-Trude noch im Dienst war?
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Auszug aus "Wiedersehen mit Gebler" |
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Meine Eltern sahen sich scheu an, Vater räusperte sich noch einmal, ehe er auf den Klingelknopf neben der verwitterten Tür drückte, dabei rückte er sich noch einmal seine Jacke zu-recht. Eine Frau streckte den Kopf durch den Türspalt und sah meine Eltern mißtrauisch an, dann schlug sie die Hände vor ihrem Mund zusammen, trat aus dem Haus und wies aufgeregt in eine Richtung.
"Da, die Wiese, auf der Wiese, da ist er!"
Meine Eltern, die sonst immer so zurückhaltend waren, verabschiedeten sich fahrig und liefen einen Feldweg entlang. Da sah ich in der Ferne einen Mann, der mit einem Rechen Heu wendete. Zufällig blickte er zu uns herüber, dabei schirmte er mit einer Hand die Sonnenstrahlen ab. Vater, der nicht sehr groß war, hüpfte ein paarmal in die Höhe und wedelte mit einer Hand hin und her. Mit einem Mal warf der Mann den Rechen in hohem Bogen fort und rannte auf uns zu. Dabei sprang und hastete er über die kleinen Heuhaufen und riß dabei die Arme hoch. Vater war plötzlich nicht mehr bei uns. Ich sah, wie er über einen kleinen Graben sprang und ebenfalls große Schritte machte. Auch er hielt die Arme hoch und lief immer schneller, bis er den Mann erreicht hatte. Der Fremde schloß meinen Vater in die Arme und rief ständig , und dabei überschlug sich seine Stimme: "Der Jupp! Der Jupp ist es. Der Jupp ist es!"
Die beiden ließen sich immer wieder kurz los, schauten sich an, als wollten sie prüfen, daß sie sich nicht getäuscht hatten und umarmten sich erneut.
Mein Vater, der Josef heißt, rief immer wieder mit heiserer Stimme: 'Karl, Karl'. Beide standen voreinander und schluchzten.
"Daß du es bist, Jupp! Daß du es bist!" Er schlug meinem Vater auf die Schulter, dann wurden beide ganz still; sie sahen sich nur an und nannten einander Namen, die russisch klangen.
Meine Mutter steckte nach einer Weile ihr Taschentuch weg und fragte den Karl leise:
"Woran haben Sie ihn denn erkannt? Wir waren doch noch so weit weg!"
Karl wischte sich mit dem Ärmel über die Augen, dabei lachte er unter Tränen:
"Sein Gang, es ist sein Gang! Keiner geht so wie Jupp! – Wir waren doch im Krieg fünf Jahre in Gefangenschaft. Wir sind in Rußland jahrelang hintereinander her marschiert. So was vergißt man nicht! Das Bild brennt sich ein!"
Er wandte sich erneut meinem Vater zu und flüsterte heiser:
"Mensch Jupp, wer hätte das gedacht, daß wir uns einmal wiedersehen würden!"
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