von Heribert Friedrich Klein
 
  Aus dem Zyklus „Das Jahr im Licht“
 
Mai

Tanz in den Mai
den Reigen der Blumen.
Schwing dich empor,
daß Äste dich fangen.

Laß deine Seele
den Rhythmus verfolgen,
laß sie mitschwingen
und Labsal genießen.

Das ist die Zeit,
die Liebe verspricht.
Das ist die Hoffnung
mit sonnigem Licht.

Juni

Die Kürze der Nächte
man früh schon erspürt:
Es dämmert, es hellet,
das Licht schon erfährt
seinen Liebgang,
sein Hellsein,
seine strahlende Kraft,
den Menschen,
den Tieren,
den Pflanzen
die Stimmung hat’s gebracht.

Man feiert den längsten der Tage
mit Feuer,
mit Tänzen
und stellt sich die Frage:
Ein jeder Mensch weiß ja,
jetzt wendet sich alles.
Die Tage, sie werden nun kürzer;
man stellt sich die Frage
zum Fall eines Falles:
Im menschlichen Leben
wird’s ebenso sein.
Das ist es,
das war es!
Der Höhepunkt ist jetzt erreicht.

Juli

Er ist doch ein tröstlicher Monat:
Er läßt uns das Kürzen der Tage nicht spüren,
er gibt uns in Fülle mit Blumen die Pracht,
er bringt uns den Sommer mit all seiner Wärme,
wer hätte an alles und so was gedacht.
Die lauschigen Nächte, man möchte nicht schlafen,
man möchte dabeisein bei all diesen Mächten,
man möchte genießen die herrliche Zeit.
Ein jeder auch weiß ja: So kann es nicht bleiben.
Laßt uns darum stets das alles genießen.
 
  Positiv sein
 
Der Strahl eines Lächelns
trifft sein Gegenüber
und kommt zu ihm zurück.
Dankbarkeit ist spürbar.

Worte können das auch werden:
belebend, erquickend,
besänftigend, erbauend
und bittend nach mehr.

Freuden des Glücks sind da
und es vereinen sich selbst Fremde.

Eine Ruhe kehrt ein,
sogar in die Seele.
 
  Blicke der Stille
 
Im Schweigen ist man auf sich gestellt:

Die Gedanken werden zu einem persönlichen Ereignis,

die Weite erhält Formen,

das Licht leuchtet in bisher ungekannte Winkel,

das Dunkel gibt seine Geheimnisse preis,

die Liebe weist auf bislang Ungesehenes,

der Nächste wird plötzlich bekannter.


Die Stille bringt lautloses Leben.


Ein Engel liebkost!
 
  JAHRESZEITEN DES LEBENS
 
Zyklus I

Hoffnungszeichen

Eine kleine Frühlingsblüte
ist ein Zeichen reiner Hoffnung,
daß aus ihr die Blume werde,
die uns zeigt der Schönheit Ordnung.

Solche Blüten sind begehrt heut,
auch im Menschen sind sie da.
Grad’ bei denen, die verzagt sind,
die da warten auf das „Ja“.

Jeder Mensch hat seine Chance,
solche Blüte auch zu sein.
Ohne offne Augen, Sinne,
geht nichts ins Bewußtsein ein.

Eine kleine Frühlingsblüte
muß ertragen viel Unbilde,
sei’n es Winde oder Feindschaft:
Gott gibt allen seine Schilde.


Dann wirst du ein Leben leben
ganz umringt von Zärtlichkeit.
Du mußt Hoffnung haben, eben
ob der Blütenherrlichkeit.

Zyklus II

Schönheitsströme

Einer Sonnenblume Glanz
hat die Sonne eingesogen.
Ihrer Blütenblätter Kranz
hat mit sich das Licht verwoben.

Diese Helle, diesen Schein
gibt sie von sich, ihrem Wesen.
War der Blütenanfang klein,
ist ihr Reichtum auserlesen.

Wieviel Blumen birgt die Blüte
in dem Schoße ihrer Samen.
Nimm ein Beispiel, Mensch, der Güte,
zeige anderen Erbarmen.


Könnten Menschen Blumen sein,
ihnen wär’n solch’ Kräfte inne,
strömten aus ein Leben rein.
Versuch es doch, benutz die Sinne!

Zyklus III

Abschiedsblühen

Viele schöne Blumen noch
bietet still der Herbst uns an,
dabei wissen alle doch:
Schnell ist diese Zeit getan.

Wie die letzten Blumen doch
sollte, der im Herbst schon steht,
schauen auf zum Himmel hoch,
ob der Wind ihm gegensteht.

Zarte Strahlen kühler Sonnen
gleiten über Auen hin,
die einst waren voller Wonnen
und bald fahle Streifen ziehn.


Wie schnell kann der Winter kommen
und für manchen spät dann sein.
Hat’s im Herzen mal geglommen:
Fauch den Funken, er ist dein.

Zyklus IV

Ein letztes Lied


Wenn die letzten Töne klingen
aus des Jahres großem Lied,
hört man dann vom Abschiedswinken
in den letzten Strophen mit.

Dann ist „decrescendo“ fällig,
unaufhaltsam rinnt die Zeit,
die für manchen viel zu schnellig
hinläuft auf die Ewigkeit.

Jedes Gotteswerk muß diesen Weg
gehen, hin zu seinem Thron.
Glaubt zu finden einen Steg
noch, festzuhalten Erdenhohn.

Hör dir früh genug im Leben
ruhig Himmelsharfen an.
Kannst dich schon mal Gegenstreben,
glaube nur: „Auch du kommst dran.“

Drum werd’ ruhig und auch stille.
Höre dir diese Lieder an,
deren Inhalt freundlich, milde,
leiten hin zur Himmelsbahn.
 
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